Wearables mit Evidenz in die Leitlinien
Smartwatches mit klinischer PPG- und EKG-Funktion entwickeln sich vom Lifestyle-Gadget zum ernstzunehmenden Screening-Instrument für Vorhofflimmern bei Risikopatienten.

Smartwatches mit klinischer Photoplethysmografie (PPG)- und Elektrokardiogramm (EKG)-Funktion entwickeln sich vom Lifestyle-Gadget zum ernstzunehmenden Screening-Instrument für Vorhofflimmern bei Risikopatienten.
Ein praktisches Beispiel: Ein Patient mit hohem Risiko für einen Schlaganfall, 3 Wochen per Smartwatch überwacht, wird vor dem geplanten Routine-Check mit asymptomatischem Vorhofflimmern diagnostiziert – frühere Antikoagulation, potenziell verhindeter Schlaganfall.
Vierfach höhere Detektionsrate – warum das zählt
In der randomisierten EQUAL-Studie des Amsterdam University Medical Centre (AMC) mit 437 Hochrisikopatienten wurde über 6 Monate bei 7,3% der Smartwatch-Gruppe ein neues Vorhofflimmern diagnostiziert – versus 2,3% in der Standardversorgung. Die Hazard Ratio (HR) von 4,40 (95%-Konfidenzintervall [KI] 1,66–11,66) ist statistisch signifikant. Mehr als die Hälfte der Fälle war asymptomatisch und wäre durch das übliche 24-Stunden-Elektrokardiogramm (24h-EKG) vermutlich nicht erfasst worden.
Von der Leitlinie zur Umsetzung
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) empfahl bereits 2021 ein systematisches Wearable-basiertes Screening ab 75 Jahren sowie bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA); opportunistisch ab 65 Jahren mit arterieller Hypertonie. Die neuen EQUAL-Daten untermauern diese Position durch den Nachweis, dass Smartwatch-Screening bei Patienten mit erhöhtem Schlaganfall-Risiko-Stratifizierungsscore zu früherer Diagnose unter Alltagsbedingungen führt – eine wichtige Grundlage für regulatorische Behandlungsentscheidungen und Health-Technology-Assessment (HTA)-Prozesse.
Klinischer Nutzen und technische Grenzen
Smartwatches mit PPG-Rhythmusanalyse und On-Demand-Einkanal-EKG bieten skalierbares, ferngestütztes Vorhofflimmern (AF)-Screening. Allerdings bestätigte sich in der Amsterdam-Studie nur bei rund der Hälfte der Smartwatch-Alarme tatsächlich ein Vorhofflimmern – ein wichtiger Punkt für Post-Market-Surveillance (PMS) und Risk Management Files (RMF). Experten der DGK betonen daher: Wearables sollten gezielt bei Risikogruppen eingesetzt werden (z. B. ungeklärter Schlaganfall, Verdacht auf Arrhythmie), während bei gesunden Nutzern Herzfrequenz- und Aktivitätstracking im Vordergrund stehen sollte.
Quelle: Journal of the American College of Cardiology. Smartwatch use enhances the detection of heart arrythmias in high-risk patients. EurekAlert! 21. Januar 2026.
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