Mit ADHS-App ein Schritt Richtung bessere Versorgung

Trotz der Hürden, die bei der Listung einer DiGA (oder dem Versuch) oft unerwartet auftreten, sind digitale Gesundheitsanwendungen zu therapeutischen Zwecken weiter auf dem Vormarsch. Immer mehr Indikationen für körperliche wie psychische Krankheitsbilder reihen sich ein mit dem Ziel, Patient:innen eine moderne, niedrigschwellige Versorgung anzubieten.
Erwachsene mit ADHS warten oft lange auf passende psychotherapeutische Unterstützung. Genau hier können digitale Interventionen eine wichtige Ergänzung sein: leicht zugänglich, jederzeit verfügbar und selbstgesteuert.
Gerade machen die Ergebnisse einer aktuellen randomisierten Studie zur unbegleiteten Anwendung einer ADHS-App auf sich aufmerksam: 307 Erwachsene erhielten die Anwendung zusätzlich zur Standardtherapie und wurden über 12 Wochen vergleichend untersucht. Die Studie wurde im Deutschen Ärzteblatt international (123, 2026) veröffentlicht.
Dem Bericht zufolge verbesserte sich die ADHS-bezogene Lebensqualität tatsächlich stärker als in der Wartelisten-Kontrollgruppe. Die Symptome und funktionelle Beeinträchtigungen entwickelten sich günstiger. Außerdem erreichten 40% der Teilnehmenden in der Interventionsgruppe eine klinisch relevante Verbesserung der Lebensqualität verglichen mit nur 22% in der Kontrollgruppe, was statistisch signifikant ist.
Die App ist nicht als Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung gedacht, sondern kommt ergänzend zur üblichen Versorgung zum Einsatz; etwa 69% der beobachteten Patient:innen waren bereits medikamentös eingestellt. Häufig liegt das Potenzial von DiGAs realistisch darin, Betroffenen einen Zusatznutzen durch evidenzbasierte Unterstützung zu bieten, etwa wenn in der etablierten Versorgung Therapieplätze fehlen oder Wartelisten lang sind. Auch die kontinuierliche Begleitung im Alltag kann ein großer Gewinn sein.
Trotz der guten Aussichten ist erstmal noch Zurückhaltung geboten:
Die Studie ist ausdrücklich explorativ und nutzt ein erhöhtes Signifikanzniveau von 10%. Anstatt einer aktiven Kontrollgruppe trat „nur“ eine Warteliste den Vergleich mit der App-Nutzung an, ausgewertet wurden ausschließlich Selbstberichte. Dazu wurde die App selbst in durchschnittlich nur vier von zwölf Modulen genutzt und nur 20% der User bearbeiteten mehr als die Hälfte der Inhalte. Zwölf Wochen sind zudem keine sehr aussagestarke Beobachtungszeit.
Dennoch ist die Studie ein guter, sogar wegweisender Auftakt für die weitere Entwicklung. Eine konfirmatorische, möglichst unabhängige Studie mit aktiver Kontrolle und längerer Nachbeobachtung könnte der sinnvolle nächste Schritt sein.
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