Mini-Cyborgs im Einsatz: schon längst mehr als Science-Fiction

1.9.2026
Mit Robotik aufgerüstete Insekten im möglichen Katastrophenszenario

Mit Robotik ausgestattete Insekten befinden sich schon länger in der Erprobung. Ziel ist unter anderem, sie bei Rettungseinsätzen gezielt suchen und helfen zu lassen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind nach einem Erdbeben unter Trümmern eingeschlossen. Kein Mensch, kein Hund und kein klassischer Roboter kommt durch den engen Spalt zu Ihnen. Aber vielleicht ein Käfer. Oder eine Kakerlake.

Naturkatastrophen häufen sich, tagtäglich begegnen sie uns in den Nachrichten. Die wenigsten von uns haben aber von der faszinierenden Forschungsarbeit mit lebenden Insekten als winzige „Spürhunde“ und Erstversorger gehört. Organische Insektenkörper sind aufwändig herzustellenden und kostenintensiven Mini-Vollrobotern klar überlegen, wenn es gelingen könnte, ihre bereits vorhandenen natürlichen Fähigkeit einfach anzuzapfen.

Die Universität von Queensland, Australien hat bereits zwei Studien zu dem Projekt veröffentlicht.

In der ersten davon, publiziert in Advanced Sciene im Juni 2025, wurden Mehlkäfer mit einem ultraleichten elektronischen „Rucksack“ bestückt. Die präparierten Tiere konnten durch gezielte elektrische Impulse „ferngesteuert“ werden, um kleine Hindernisse zu überwinden und sogar von einer horizontalen Fläche aus eine senkrechten Wand hochzukrabbeln. Kleine Stufen von 5 bis 8 Millimetern konnten in mehr als 92% der Versuche überwunden werden, der Übergang an eine senkrechte Wand klappte in gut 71% der Fälle innerhalb von 5 Sekunden – ein Schritt in Richtung Katastrophenrettung, wo die Tiere gezielt durch Spalten und Trümmer navigieren und Opfer aufspüren könnten. Weitere Aufrüstungen der kleinen Helfer wären ebenfalls möglich.

Ein gutes Jahr später, ebenfalls in Advanced Science im Juli 2026, veröffentlichte das Team eine zweite Studie, die noch weiter führt: In ihr wurden Rhinoschaben jeweils mit entweder einer Kamera oder einem kleinen, ferngesteuert auslösbaren Injektionsmechanismus ausgestattet. Ein solches „Zweierteam“ soll in einem schwer zugänglichen Bereich die eingeschlossenen Personen nicht nur finden, sondern auch gleich mit einer Notfall-Medikation behandeln können. Im kontrollierten Versuchsaufbau klappte dies in 72% der Anläufe; eine Injektion aus kurzer Distanz (15 cm) gelang laut Studie sogar mit einer Erfolgsrate von bis zu 95%. Ein Rettungsdienst im Hosentaschenformat?

Viele Probleme gibt es noch zu lösen: Kommunikation durch Beton und Schutt, Navigation in realen Trümmerfeldern, präzise Positionierung, sichere Dosierung, Arzneimittelstabilität und vor allem die Sicherheit einer Injektion in menschliches Gewebe brauchen viel mehr Erprobung und weitere Verfeinerung. Die bisherigen Versuche fanden unter kontrollierten Bedingungen und u.a. mit Silikon- bzw. Schweinehautmodellen statt, nicht Menschen.

Dennoch: Die Stärken von Natur und fortschrittlicher Technologie zu verbinden ist ein faszinierendes Konzept. Wir sind gespannt, ob uns das Team aus Brisbane im nächsten Sommer den nächsten Fortschritt präsentiert.

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