„Sleep is overrated“? – Schlaf als unterschätzter Faktor für Leistungsfähigkeit

„Guter Schlaf beginnt nicht erst nach Feierabend“, lese ich als Überschrift über einem KI-generierten Aufsatz zum Thema. Ich stutze. Wo beginnt er denn dann? Etwa im Büro? Idealerweise nicht.
Allerdings ...
Wenn Mitarbeitende im Meeting auffällig müde wirken, häufig gähnen oder vor dem Bildschirm einnicken, ist das nicht automatisch ein Zeichen mangelnder Motivation.
Wir alle haben das entweder schon bei anderen gesehen oder selbst erlebt: Es beginnt mit leichter Unaufmerksamkeit, die man glaubt überwinden zu können, und urplötzlich schreckt man hoch, weil der Kugelschreiber auf die Tischfläche klappert.
Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass 39,6% der Erwachsenen in Deutschland an Wochentagen weniger als sieben Stunden schlafen; bei Männern zwischen 45 und 64 Jahren liegt der Anteil sogar bei 53%. Diese Ergebnisse veröffentlichte das RKI im Journal of Health Monitoring von August 2026. Damit ist vor allem die arbeitende Bevölkerung wesentlich unausgeschlafener, als die Forscher erwartet hatten.
Nicht immer sind Schlafprobleme an einer vermeintlich zu kurzen Nacht zu erkennen: Eine prospektive Studie mit Berufstätigen zwischen 50 und 66 Jahren fand bei fast 70% der Teilnehmer:innen klinisch relevante Schlafprobleme – auch dann, wenn zuvor keine Diagnose für eine Schlafstörung gestellt worden war. So traten bei rund 92% im Studienverlauf mindestens einmal relevante Symptome auf. Auch wenn Teilnehmer:innen durchschnittlich 6,5 bis 8 Stunden schliefen, war ihr Schlaf fragmentiert, d.h. von Wachphasen durchsetzt. Nicht die Schlafdauer, sondern die fehlende Schlafkontinuität war also das größte Problem. Die prospektive Studie wurde in Scientific Reports 2026 publiziert.
Dass arbeitsbedingter Stress und geringeres psychisches Wohlbefinden eng mit schlechterer Schlafqualität in Verbindung stehen, ist keine neue Erkenntnis, wurde aber von beiden Untersuchungen nochmals unterstrichen.
Als Führungskräfte sollten wir unsere Fürsorgepflicht hier ernst nehmen: Die Ausgeschlafenheit – oder Aufgewecktheit? – unserer Mitarbeiter:innen ist weder verzichtbarer Luxus noch Messlatte für Einsatzbereitschaft, sondern die Grundlage für Konzentration, Leistungsfähigkeit und stabile Gesundheit.
Damit sind natürlich auch Chefs und Chefinnen gemeint.
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