Was muss eine CRO für klinische Studien mit Medizinprodukten können?
Eine Contract Research Organisation (CRO) für Medizinprodukte unterstützt Hersteller als ausgelagerter Forschungspartner bei der Planung, Durchführung und Auswertung klinischer Prüfungen und PMCF‑Aktivitäten. Weil eine auf Medizinprodukte spezialisierte CRO die spezifischen MDR‑, ISO‑14155‑ und Praxisanforderungen von MP‑Studien besser kennt, reduziert sie regulatorische Risiken und vermeidet teure Umwege aus der „Pharma‑Denke“.

Eine CRO, die die DNA von Medizinprodukten in sich trägt, kennt die Besonderheiten dieser Art Studien, um klinische Evidenz effizient und regelkonform zu generieren.
Dies lässt sich anhand folgender Punkte darstellen:
1. Regulatorische und normative Expertise
- Sicherer Umgang mit der EU‑MDR (Verordnung (EU) 2017/745) und den nationalen Umsetzungen, z. B. dem MPDG in Deutschland, insbesondere den Vorgaben zu klinischen Prüfungen und "sonstigen klinischen Studien" bzw. PMCF. Dies gilt gleichermaßen bezogen auf die jeweils lokale Regulatorik anderer großer Räume wie USA, China und anderen.
- Fundierte Kenntnis der Norm ISO 14155 für klinische Prüfungen von Medizinprodukten (Gute Klinische Praxis) und idealerweise weiterer relevanter Standards, wie ISO 13485 für Qualitäts‑ und Medizinprodukte‑QM‑Systeme und anderer für das jeweilige Medizinprodukt relevanter Normen.
- Verständnis der Heilsversprechen / Zweckbestimmung eines Medizinproduktes und Anforderungen an das Schließen von Evidenzlücken in der klinischen Bewertung.
- Vertrautheit mit aktuellen MDCG‑Leitlinien zu klinischen Prüfungen, Studienprotokollen und Prüfarzthandbücher, etwa MDCG 2024‑3 und MDCG 2024‑5, die Anforderungen an klinischen Prüfplan und Konzeption konkretisieren.
- Sicherstellung der Nutzung von klinischen Daten in jedem Entwicklungszyklus eines innovativen datengetriebenen Medizinprodukts, Einhaltung der Regulatorik und Nutzung von transformativen Chancen
- Kenntnis und Erfahrung beim Einsatz von digitalen Medizinprodukten und solchen mit Künstlicher Intelligenz (KI) und der dazugehörigen Regulatorik.
- Kenntnis der Anforderungen von Ethikkommissionen, behördliche Genehmigungen (z. B. BfArM/PEI in Deutschland) sowie der europäischen oder anderer internationaler relevanter Verfahren zur koordinierten Bewertung multinationaler Studien.
2. Studienkonzeption und ‑planung
- Fähigkeit, auf Basis der klinischen Bewertung und der Risikoklasse ein passendes Studiendesign (retrospektiv, prä‑ oder post‑market, interventionell oder beobachtend, PMCF) zu entwickeln.
- Unterstützung bei der Formulierung von Studienzielen, Hypothesen, primären und sekundären Endpunkten, Wahl der geeigneten Messinstrumente, Ein‑ und Ausschlusskriterien sowie statistischen Annahmen.
- Erstellung oder Mitgestaltung zentraler Dokumente wie Studienprotokoll, Prüferhandbuch Patienteninormationen und Einwilligungserklärungen im Einklang mit MDR, MPDG, ISO 14155 und den einschlägigen MDCG‑Leitlinien.
- kontinuierliches Risikomanagement.
- Erfahrung mit digitalen patientenzentrierten Studien.
- Etablierte, belastbare und faire Vertragsstrukturen
- Praktische Machbarkeitsanalysen, Standort‑Screening und Rekrutierungsplanung, ggf. unter Nutzung digitaler und analoger Werkzeuge zur effizienten Patienteneinbindung.
3. Operative Durchführung und Monitoring
- Etabliertes Qualitätsmanagementsystem mit klar definierten Prozessen für Initiierung von Zentren oder eigenes dezentrales Studienzentrum mit innovativen Technologien (inkl. KI-Unterstützung), Monitoring, Sicherheitsberichte, Protokollabweichungen und CAPA‑Management.
- Erfahrene Monitore/CRAs, die die Anforderungen der ISO 14155, MDR und nationalen Vorgaben kennen und Prüfstellen dabei unterstützen, regulatorische und ethische Vorgaben in der täglichen Praxis umzusetzen.
- Kompetenz im Umgang mit nationalen Abläufen, z. B. Überwachung der Prüfung durch Landesbehörden nach Genehmigung.
- Fähigkeit, auch komplexe, multinationale Studien in koordinierten Bewertungsverfahren der EU (oder in anderen Regionen( zu begleiten, inklusive Harmonisierung der Anforderungen verschiedener Mitgliedstaaten.
- Geschultes und erfahrenes eigenes Studienpersonal und Regulatoriker:innen oder kompetente Auswahl geeigneter Zentren für hybride Studien.
4. Datenmanagement, Biostatistik und Auswertung
- Professionelles klinisches Datenmanagement mit validierten Systemen (z. B. eCRF, EDC), definierter Datenflussarchitektur, Query‑Management und Sicherstellung von Datenintegrität und ‑schutz.
- Biostatistische Expertise zur Fallzahlplanung, Randomisierung, Definition von Analysepopulationen und Durchführung der statistischen Auswertung gemäß Protokoll und regulatorischen Erwartungen.
- Erstellung von Tabellen, Listings und Abbildungen sowie von statistischen Berichten, die direkt in klinische Prüfberichte und die technische Dokumentation nach MDR einfließen können.
- Fähigkeit, Studienergebnisse in den Kontext der klinischen Bewertung und des Benefit‑Risk‑Profils zu stellen und für Benannte Stellen und Behörden nachvollziehbar aufzubereiten.
- Retrospektive Datenanalysen und Arbeiten mit und an Registern.
5. Qualitäts‑ und Compliance‑Struktur
- Zertifiziertes oder mindestens formal etabliertes QM‑System, das regulatorische Anforderungen an Klinische Prüfungen (MDR, ISO 14155, GCP, ISO27001) nachweisbar abdeckt.
- Nachvollziehbare SOP‑Landschaft für alle studienspezifischen Prozesse (Monitoring, Safety Management, Datenmanagement, Audit, Training), inklusive regelmäßiger Schulungen und Dokumentation der Mitarbeiterqualifikation.
- Interne und externe Audits, Risikomanagementprozesse und Qualitätskontrollen, die sicherstellen, dass Studien jederzeit inspizierbar und konform mit behördlichen Erwartungen sind.
6. Medizinische, regulatorische, biostatistische und therapeutische Fachkompetenzen
- Interdisziplinäre Teams mit Expertise in Medizin, Biostatistik, Datenmanagement, Projektmanagement und Regulatory Affairs, um die Hersteller in allen Phasen der Studie kompetent zu begleiten.
- Erfahrung mit unterschiedlichen Medizinprodukt‑Klassen und -Technologien sowie mit spezifischen Indikationsgebieten, um Studiendesigns sinnvoll an Produktcharakteristika und klinische Praxis anzupassen.
- Verfügbarkeit von Beratung zu speziellen Fragestellungen wie PMCF‑Strategien, Post‑Market‑Studien, Real‑World‑Evidence oder Registerlösungen.
7. Transparente Zusammenarbeit mit dem Sponsor und allen andern Beteiligten
- Klare Rollen‑ und Aufgabenverteilung zwischen Sponsor und CRO, z. B. durch Verträge und Delegationslog, da der Sponsor regulatorisch verantwortlich bleibt.
- Transparente Kostenstrukturen, z. B. nachvollziehbare Stück‑ bzw. Linienposten, sowie Offenlegung von durchgereichten Fremdkosten, um spätere Budgetüberraschungen zu vermeiden.
- Regelmäßige Kommunikation über Projektstatus, Meilensteine und Risiken im Rahmen eines strukturierten Projektmanagements.
Wichtig: Es kommt nicht nur auf die Kenntnisse der einzelnen Punkte an, sondern auf die nahtlose und effiziente Kombination aller Aspekte - zur rechtskonformen Sicherung der Würde unserer Patient:innen und um überhaupt belastbare und verlässliche Ergebnisse zu erhalten., die von allen Involvierten anerkannt werden.
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