Gesundheitstracking mit Wearables – Bringt es uns weiter?

Mittlerweile ist es für viele Menschen gängige Praxis, Gesundheitsdaten mittels Wearables wie Smartwatch & Co. zu erfassen und zu kontrollieren. Die gewonnenen Informationen werden genutzt, um das eigene Wohlbefinden zu optimieren, wenn man nicht auf sein Gefühl vertrauen möchte. Zunehmend bringen Menschen diese gesammelten Daten dann mit in die Praxen ihrer Ärzt:innen und erwarten wie selbstverständlich eine Einbeziehung der Zahlen in die medizinische Diagnosestellung bei einer möglichen Erkrankung – Schrittzahl, Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Schlafprotokolle liegen dabei vorn. Meist haben die Praxisbesucher sich auch schon über einen Sprachbot weitere Informationen eingeholt, die sie vor Ort beisteuern.
Was bedeutet das aber für die behandelnden Ärzt:innen du damit auch für die Nutzer des Trackings? Das hat auch das Deutsche Ärzteblatt in einem Gespräch mit dem behandelnden Leiter einer universitären Einrichtung besprochen:
- Die Auswertung eine Trackings wird meist bereits vor den Terminen den Praxen auf verschiedenen Wegen zugesandt.
- Die Geräte liefern scheinbar objektive Zahlen, Scores und auch Warnungen.
- Gelegentlich lassen sich Symptome zeitlich einordnen, z.B. können Herz-Rhythmusstörungen früher erfasst oder Verläufe von Aktivität und Schlaf über längere Zeiträume sichtbar gemacht werden.
Allerdings ist die medizinische Relevanz dieser Daten kritisch zu hinterfragen: Die verwendeten Geräte sind oft Lifestyle-Produkte, keine Medizinprodukte. Sie können ernsthafte Ereignisse wie einen Herzinfarkt nicht sicher detektieren. Häufige Fehlalarme, unspezifische Hinweise und technisch bedingte Artefakte lösen Verunsicherung bei den Anwender:innen aus. Das alles führt bei Ärzt:innen auch dazu, dass die wenigen Minuten Zeit, die sie für ihre Patient:innen haben, auch noch für die Auswertung von teilweise zumindest zweifelhaften Daten aufgewendet wird.
Darüber hinaus, so der Experte, könne die ständige intensive Selbstbeobachtung in eine Mischung aus Scheinsicherheit, Optimierungszwang und Krankheitsangst umschlagen: Die sogenannte „Cyberchondria“ ziehe mehr Arztbesuche, erhöhte Fixierung auf Daten, Abhängigkeit von den erfassenden Geräten und den Verlust des eigenen gesunden Körpergefühls nach sich.
Freizeit-Wearables keine Medizinprodukte – für sie gelten somit andere Haftungsregeln und Anforderungen. Und es bleiben Fragen bei uns offen:
- Wer trägt die Verantwortung für die ausgelösten Alarme?
- Wie sollen Ärzt:innen mit den nicht-zertifizierten Daten umgehen?
- Wie wird zwischen brauchbaren und unbrauchbaren Daten unterschieden?
- Wie steht es um Datenschutz, Interoperabilität und Qualität der Algorithmen?
Als Ärzt:innen, so der Kollege, werden wir nicht drum herumkommen, uns mit dieser Technologie zu beschäftigen. Nur so können wir die Erwartungen unserer Patient:innen steuern und zwischen Lifestyle-Gadget und klinischer Realität vermitteln.
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